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10 Jahre Lehrervertreter-Versammlungen ZH - Ein Rückblick von Markus Hochuli:

 
“Dies ist die neunte und letzte Lehrervertreter-Versammlung, bei deren Organisation ich beteiligt war. 2008 habe ich begonnen, die Adressen zu sammeln, 2009 fand die erste Versammlung statt.
 
In den letzten 20 Jahren hat sich die Art und Weise, wie Musikschulen geführt werden, total verändert. Die Entwicklung ging von den enthusiastischen Patrons, die mit Philanthropie und Selbstausbeutung in den 70-er Jahren eine Musikschul-Landschaft aufgebaut haben zu den heutigen Schulen, die mehr oder weniger die ganze Schweiz abdecken. Verbesserungen der Arbeitsbedingungen kamen nicht selten von Seiten der Arbeitgeber her. Diese Musikschulen haben sich nach und nach professionalisiert, heute werden die Schulen von Schulleitern geführt, die oft eine entsprechende Ausbildung haben. Diese Schulleitungen haben sich mit dem VZM eine Institution geschaffen, die ihnen erlaubt, sich gegenseitig zu unterstützen und Informationen auszutauschen. Die Kommunikation dieses Gremiums zu den Arbeitnehmerverbänden und den Lehrpersonen ist oft mangelhaft, viele Informationen erhielten wir nur dank guten Kontakten zu einzelnen SchulleiterInnen und nicht vom VZM.
 
Das Niveau der Lehrpersonen hat sich ebenfalls professionalisiert, bei der Vernetzung sind wir aber auf dem ursprünglichen Niveau. Das liegt einerseits daran, dass Musiklehrpersonen einen sehr tiefen Organisationsgrad haben (Anzahl Mitglieder in Berufsverbänden), andererseits daran, dass es kein Gefäss gibt, das diesen Austausch institutionalisiert (z.B. eine Musiklehrersynode). Dies ist umso schlimmer, weil wir uns in einem zunehmend autoritären und demokratiefeindlichen Umfeld bewegen. Die Beispiele, in denen die Funktion und die Mitspracherechte eines Lehrerkonvents an den Musikschulen abgeschafft oder eingeschränkt wurden, sind zahlreich. Das heisst, die Notwendigkeit einer Vernetzung der Musiklehrpersonen der verschiedenen Musikschulen untereinander ist seit dem Beginn dieser Versammlungen grösser geworden.
 
Ein wichtiger Grund, diese Versammlungen zu initiieren, war meine Arbeit an einem Musterarbeitsvertrag im Kanton Zürich. In diesem war unter anderem eine Pensengarantie für Musiklehrpersonen im ganzen Kanton Zürich vom VZM (also von den Arbeitgebern) akzeptiert worden. Nach mehreren Jahren hatte noch keine einzige zusätzliche Musikschule diese bei sich eingeführt. Ich dachte mir, dass nur das Nichtwissen der Musiklehrpersonen dazu führen konnte, dass sich die Schulleitungen diese Nichteinführung erlauben konnten. Tatsächlich haben seit dem Beginn dieser Versammlungen einige Musikschulen Pensengarantien eingeführt. Mit der Zeit zeigte es sich, dass bei den jeweils Anwesenden ein grosses Bedürfnis bestand, zu erfahren, wie es an anderen Musikschulen läuft.
 
Manchmal diskutierten wir Lektionslänge, Weiterbildung, Mitarbeiterbeurteilung etc. und ein wichtiges Fazit war, dass es nirgends gleich ist. Arbeitsbedingungen und Schulkultur sind überall ganz unterschiedlich, was natürlich auch heisst, dass sehr viele Dinge sich ändern lassen, wenn man die Bedingungen an anderen Orten kennt. Dass sich aus diesen Versammlungen sogar eine neue Arbeitsgruppe gebildet hat, die sich mit der Integrierbarkeit des Instrumentalunterrichts in den Stundenplan der Volksschule beschäftigt, war ein schönes Geschenk, auch wenn vorläufig leider noch kein konkretes Versuchsprojekt daraus entstanden ist.
 
Es macht Sinn diesen Austausch weiterzuführen. Das wird mittelfristig aber nur geschehen, wenn sich Leute aus der Basis der Musikschulen melden um im Organisationskomitee eine gute Mischung von Verbandsvertretern und MusiklehrerInnen aus den Musikschulen herzustellen. Ohne Beteiligung der Basis wird dieses Pflänzchen früher oder später absterben. Ich möchte deshalb dringend dazu aufrufen, sich dafür zu engagieren oder Leute anzusprechen, die man dafür geeignet hält. Nebst den drei Vertretern der Berufsverbände möchte ich allen danken, die diese Veranstaltung bisher unterstützt und die hier erhaltenen Informationen weitergetragen haben.
 
Eine kleine Anekdote zum Schluss kann ich mir nicht verkneifen: Als ich die Musikschulen 2008 nach den Adressen der Lehrervertretungen fragte, zwecks Austausch unter den Lehrpersonen, schrieb eine Musikschulleitung, sie seien zufrieden mit den Lehrern, sie möchten diese nicht austauschen...”

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